ERKENNEN:

"Gefahr erkannt, Gefahr gebannt" lautet ein altes Sprichwort. Und in der Tat ist eines der zentralen Probleme der an Krebs erkrankten Menschen, dass sie aufgrund des verwirrenden Überangebotes an Informationen sehr schnell überfordert sind, die elementaren Zusamenhänge ihrer Erkrankung zu erkennen. Gerade dieses Erkennen ist aber die Grundvoraussetzung dafür, dass man versteht, wie und warum Krebs entsteht, und warum die eigene Lebenssituation und Biografie hierbei eine entscheidende Rolle spielen kann.

Hinzu kommt, dass es für Betroffene äußerst problematisch ist, aus der Fülle der Ratschläge und Empfehlungen, diejenigen auszuwählen, die sie zur Absicherung ihrer weiteren Entscheidungen benötigen. Besonders erschwert wird dieser Prozess der Entscheidungsfindung dadurch, dass

• die Ursachen für die Entstehung von Krebs bis heute nicht vollständig aufgeklärt sind,
• bisher keine Therapie in der Lage ist, Krebs, wenn er sich einmal im Organismus ausgebreitet hat, zu heilen und
• die Naturheilkunde zunehmend in einer Art Opposition zur eingreifenden technikorientierten Medizin steht.

Die sich daraus ergebenden Orientierungsprobleme verursachen deshalb bei vielen Betroffenen eine erhebliche psychologische Belastung, die - je nach Krankheitsverlauf - zusätzlich noch durch den Verlust wertvoller Zeit verschärft wird.

WIE ENTSTEHT KREBS?
Krebs ist keine einheitliche Krankheit, sondern ein Oberbegriff für mehr als hundert verschiedene Formen bösartiger maligner Erkrankungen. Nahezu jedes Gewebe unseres Körpers kann krebsartige Entartungen hervorbringen, manchmal sogar mehrere unterschiedliche Typen. Und jedes der Leiden wiederum hat seine eigenen Merkmale. Trotz dieser Verschiedenartigkeit entstehen alle Tumoren offenbar durch ähnliche grundlegende Prozesse. Die 30 Billionen Zellen eines gesunden menschlichen Körpers leben in einer komplexen Gemeinschaft, die auf wechselseitigen Abhängigkeiten, einem hochdifferenzierten Kommunikationsverhalten und geteilter Herrschaft beruht. Ob sich eine Zelle vermehrt oder nicht, unterliegt dem (kommunikativen) Einfluss anderer. Normalerweise teilt sie sich nur, wenn sie von benachbarten Zellen dazu eine Aufforderung erhält. Diese unaufhörliche Kontrolle gewährleistet, dass jedes Gewebe eine dem Körper angemessene Ausdehnung und Architektur behält.

Ganz anders die Krebszellen: Sie durchbrechen die Kontrollen, beachten die üblichen "Anweisungen" nicht mehr und folgen ihrem eigenen Vermehrungsprogramm. Hinzu kommt noch eine heimtückischere Eigenschaft - ihre Fähigkeit, den Ort ihres Entstehens zu verlassen, in benachbarte Gewebe einzudringen, sich anzusiedeln und selbst an weit entfernten Stellen im Körper zu neuen Wucherungen auszuwachsen. Tumoren aus bösartigen Zellen werden im Verlauf ihrer Entwicklungen immer aggressiver. Sie können schliesslich zum Tod führen, wenn sie lebenswichtige Gewebe und Organe bis zur Funktionsunfähigkeit schädigen.

Die eindrucksvollen Erfolge der modernen Medizin, vor allem bei akuten, schweren Krankheiten, haben zu einer gewissen Herabsetzung der Naturheilverfahren und damit der Selbstheilungskräfte geführt. Die Naturheilkunde drohte dadurch einige Jahrzehnte lang ins Hintertreffen zu geraten. Inzwischen ist allerdings die eingreifende Medizin selbst in eine doppelte Krise geraten:

Erstens in die subjektive Krise widerwilliger Akzeptanz bei vielen Patienten. Zweitens in die höchst objektive, nämlich ökonomische Krise, deren Unbezahlbarkeit immer näher rückt. Die Expansion der eingreifenden Medizin scheint selbst für unsere materielle, reiche Gesellschaft nicht mehr bezahlbar zu sein. Was nützt aber die angeblich beste materielle Medizin, wenn sie sogar von einer materiell überreichen Gesellschaft nicht mehr bezahlt werden kann? Offensichtlich hat die Medizin ihre Grundlagen vergessen, die einmal in der Naturheilkunde verankert war.

Vor diesem Hintergrund gewinnt ein Thema, das viele Jahrzehnte sträflich vernachlässigt wurde, in unserer Gesellschaft wieder mehr an Bedeutung - die Förderung der Selbstheilungskräfte. Die Psychoneuroimmunologie als neue Forschungsrichtung zeigt mit analytischen Methoden Verknüpfungen des Gehirns mit dem Immunsystem. Damit sind die seit langem intensiv vermuteten Beziehungen zwischen Seelenleben und Selbstheilungskräften wissenschaftlich sozusagen hoffähig geworden.

Die alte naturheilkundliche Lehre von der Selbstheilungskraft des Organismus findet damit eine neuzeitliche Bestätigung und Erweiterung. Die Fähigkeit zur Selbstheilung und mehr noch die Gesunderhaltung erfordert ein aktives Immunsystem. Ist es geschwächt, können Tumor- und Infektionskrankheiten entstehen. Die Erkenntnisse der Neuroimmunologie zeigen die engen Beziehungen zwischen Zentralnerven- und Immunsystem, zwischen Fühlen/Denken und den Selbstheilungskräften. Diese Beziehungen können krankmachend oder krankheitsverstärkend, aber auch heilend wirken.

Entscheidend ist deshalb das möglichst frühzeitige Erkennen dieser Zusammenhänge, als Voraussetzung für das Erreichen des zweiten der drei wichtigsten Levels - dem Verstehen.